Verfasst von: lindainecuador | Januar 13, 2008

Als Vampir um den Block

Aehnlich anders aber eindeutig weniger besinnlich war Silvester. Ich habe bei einer ecuadorianischen Freundin gefeiert, die mich eingeladen hatte, mit ihrer Familie bei ihrer Oma zu feiern. Da, bei der Oma waer ne tolle ‚Party‘…

Dass ich hingegangen bin war eher eine Notloesung weil von Quito kein Bus mehr nach Otavalo fuhr, aber ich hab es nicht bereut. Entgegen meiner Kaffeekraenzchenerwartung traf ich auf eine riesige Familie von Vampiren, Hexen, Clowns, und Aegyptern – Silvester dort war Maskenball! Alle hatten sich wie an Karneval verkleidet, geschminkt, gestylt und angemalt. Das war ne Ueberraschung! Meine schmutzige Treckinghose und meine Wanderschuhe (ich kam gerade aus dem Urwald, wollte ja nach Otavalo) fand ich als Touri-Kostuem ganz gut, beim grossen Kostuemwettbewerb durfte ich aber trotzdem nciht mitmachen… ;D
Auch sonst entsprach nichts meiner Oma-Silvester-Vorstellung. Die Altersspannen reichte zwar von 17 bis 87, aber das hielt dort niemanden von den komischsten Partyspielen ab. Luftballontanztreten, Besentanzen,…und der Verlierer musste immer trinken. So haben um kurz vor 12 auch schon nicht alle mehr gemerkt, dass sie ein paar Trauben zu wenig haben. Bei den 12 Glockenschlaegen um Mitternacht ist es wie in Spanien Brauch 12 Trauben zu essen und sich fuer jeden der naechsten 12 Monate was zu wuenschen. Ob zu dem Zeitpunkt wirklich noch alle denken konnten stell ich in Frage (ich konnte es noch!), aber nachdem wir uns alle ein frohes neues Jahr gewuenscht und uns mit Sekt uebergiessen gelassen haben rief die aelteste Oma uns alle zusammen und Hand in Hand fuer ein gutes neues Jahr zu beten. Die Idee fand ich lieb, aber die Menge Wein, die es danach wieder gab war sicher nicht im Sinne des Abendmahls… :D
Danach ging das Feuerwerk los und „der Alte“ wurde verbrannt. „Der Alte“ ist eine lebensgrosse Puppe aus Pappe und Stoff, die meist einen schlechten Politiker darstellt oder andere wichtige Personen, die im vergangenen Jahr „nicht lieb waren“. So werden die zuerst nocheinmal ordentlich verspottet, dann aber deren Suenden verbrannt. Kurz darauf, als wir alle am Feuer standen kam eine Gruppe von Leuten mit grossen Reisekoffern um den Block gelaufen – die „viajeros“. Leute, die im neuen Jahr Reisen moechten, laufen einmal mit allem Gepaeck um den Block. Ich bin beim warmen Feuer geblieben, mal sehn ob ich trotzdem im Mai zu Hause ankomme… ;)


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